Unterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft



Der Versuch (des Normalbürgers) den Unterschied zwischen konventioneller und  ökologischer Landwirtschaft  zu erkennen, stößt zunächst auf ein umfassendes Begriffsspektrum. Nach einer daraufhin durchgeführten Internet-Literatur-Recherche ergibt sich folgendes Bild:
Bis ca. Mitte der 1970er Jahre kannte man eine Differenzierung der Betriebsformen in der Landwirtschaft nicht. Erst mit der Entstehung alternativer Varianten wurde die bis dahin übliche Form als konventionelle Landwirtschaft bezeichnet. Nach einigen Vorläufern alternativer Landwirtschaftsformen zu Beginn des 20.Jahrhunderts entwickelten sich im Zuge des aufkommenden Umweltbewusstseins in den 1970er/80er Jahren mehrere alternative Methoden, die mit dem Sammelbegriff ökologischer Landbau bezeichnet wurden. Die jeweiligen Produzenten haben sich im Laufe der Zeit in Öko-Verbänden zusammengeschlossen. Die bekanntesten Öko-Verbände sind Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, Ecovin, Gäa, Naturland. Zu den Verbänden gehören häufig nicht nur die Erzeuger sondern auch Verarbeitungs- und Handelsbetriebe. Die Mitglieder müssen sich an die von den Verbänden definierten Richtlinien halten, die sich bzgl. der ökologischen Anforderungen ähneln. Die Unterschiede liegen eher in den Lebensanschauungen und den daraus resultierenden Grundsätzen.
1991 wurde die EG-Öko-Verordnung inkraftgesetzt. Darin wurden Mindestanforderungen an ökologische Betriebsformen definiert. Die Verordnung ermöglichte zahlreichen Landwirten auf eine ökologische Betriebsweise umzustellen, ohne einem Öko-Verband angehören zu müssen. Die  Anforderungen dieser EG-Öko-Verordnung liegen allerdings deutlich unter den Richtlinien der Öko-Verbände.
Die gesetzlichen Minimalanforderungen an einen konventionell wirtschaften Betrieb sind im EU-Recht in der Verordnung EG Nr. 1750/1999 definiert. Danach „ist die gute landwirt-schaftliche Praxis im üblichen Sinne der gewöhnliche Standard der Bewirtschaftung, die ein verantwortungsbewusster Landwirt in der betreffenden Region anwenden würde. Die Mitgliedstaaten legen in ihren Plänen zur Entwicklung des ländlichen Raums überprüfbare Standards fest. In jedem Fall umfassen diese Standards die Einhaltung von verpflichtenden allgemeinen Umweltauflagen“.
Zu den nationalen Standards gehören u.a. Düngeverordnung, Pflanzenschutzgesetz, Bundes-Bodenschutzgesetz, Tierschutzgesetz, Tierschutznutztierhaltungsverordnung und Viehverkehrsverordnung . Landwirte, die Direktzahlungen (Subventionen) in Anspruch nehmen, müssen neben den Standards der guten landwirtschaftlichen Praxis zusätzlich anderweitige Verpflichtungen übernehmen. Diese Verpflichtungen gelten unter dem Namen Cross Compliance in allen EU-Mitgliedsländern. 
Die ökologisch wirtschaften landwirtschaftlichen Betrieb müssen zusätzlich die EG-Öko-Verordnung und die speziellen Richtlinien des Öko-Verbandes, dem sie jeweils angehören, einhalten.
Zusammenfassen wird heute zwischen drei Landwirtschaftsformen unterscheiden:

  •  der konventionellen Landwirtschaft mit Anforderungen nach guter fachlichen Praxis (EG NR. 1750/1999 Artikel 28) und Cross Compliance,

  • dem ökologischen Landbau (ohne Verbandszugehörigkeit) mit zusätzlichen Anforderungen nach EG-Öko-Verordnung und

  • dem ökologischen Landbau (mit Verbandszugehörigkeit) mit zusätzlichen Anforderungen nach den Richtlinien der jeweiligen Öko-Verbände

Das Ziel der konventionellen Produktionsmethoden besteht in der Erzeugung maximaler Erträge pro Flächeneinheit. Um das zu erreichen, müssen Energie, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Tierarzneimittel eingesetzt werden. Dieser Energie- und Stoffeinsatz wird wirkungsgradabhängig nur teilweise für die Erzeugung genutzt. Die ungenutzten Anteile führen zu Umweltbelastungen. Darüber hinaus führen Stoffumsetzungsprozesse zu Emissionen z.B. in Form von Kohlendioxyd (CO2),Lachgas (N2O) und Methan (CH4).
Die ökologische Landwirtschaft unterliegt den gleichen Gesetzmäßigkeiten. Sie versucht die negativen Auswirkungen der Lebensmittelerzeugung durch eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung zu minimieren. Das geschieht im Rahmen eines weitreichenden Nährstoffkreislaufes, der Erhaltung bzw. Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit sowie einer artgerechte Tierhaltung. Vor diesem Hintergrund werden nach EG-Öko-Verordnung u.a. folgende Praktiken angewandt:
·         Keine Anwendung von Gentechnik,
·         Verzicht auf leicht lösliche mineralische Düngemittel,
·         keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel,
·         Gründüngung durch stickstofffixierende Pflanzen, Einsatz langsam wirkender organischer Dünger,
·         ausgeprägte Humuswirtschaft,
·         umfangreiche Fruchtfolgen
·         keine chemisch-synthetische Wachstumsregulatoren, keine Hormone,
·         Antibiotika nicht prophylaktisch,
·         Möglichst kein Zukauf von Futtermitteln
·         Nur gelistete Zusatzstoffe

Die Richtlinien der Öko-Verbände gehen, wie oben bereits erwähnt, über die genannten Praktiken hinaus.
Seit Jahren werden Untersuchungen durchgeführt, die die Unterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft quantitativ nachweisen sollen. Dabei steht die Forschung bzgl. der Sicherstellung der Vergleichbarkeitskriterien vor großen Herausforderungen. Unter Berücksichtigung aller Einschränkungen bei der Nachweisführung zeigt die Summe der Ergebnisse einen Trend, der auch aus den sieben Studien unterschiedlicher Einrichtungen vom Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (FiBL) abgeleitet wird. Die Ergebnisse, die im FiBL-Dossier Qualität und Sicherheit von Bioprodukten veröffentlicht wurden, werden im Folgenden zusammenfassend wiedergegeben:

Produktqualität
Leichte Nachteile biologischer Produkte: Proteingehalt, Backqualität,
Kein Unterschied: Pathogene Keime, Schwermetalle
Leichte Vorteile biologischer Produkte: Mineralstoffe, Proteinqualität, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Genusswert,

Prozessqualität, Auswirkungen auf die Umwelt
Ökolandbau ist schlechter: kein Indikator
Ökolandbau ist gleich: Klima, Luft
Ökolandbau ist besser: Biodiversität, Landschaft, Boden, Wasser, Energie

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln
Zum Thema Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in pflanzlichen Produkten veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (im Ernährungsbericht 12- Kapitel 4) Ergebnisse, die in der folgenden Tabelle gegenübergestellt sind:


Proben
Keine Rückstände
Rückstände unter Grenzwert
Grenzwertüber-schreitungen
Konventionell
70.358
39,1%
56,6%
4,1%
Ökologisch
5.028
81,2%
18,4% (>0,01 mg/kg)
0,8%

In 40% der Untersuchungen auf Mehrfachrückstände wurden positive Befunde ermittelt. Ohne Zahlenangabe bescheinigt der Ernährungsbericht der ökologischen Landwirtschaft deutlich geringere Mehrfachrückstände.

Rückstände von Tierarzneimitteln
Rückstände von Tierarzneimittel (insbesondere Antibiotika) werden häufig in tierischen Lebensmittel nachgewiesen. Dabei kommt es selten vor, dass die zugelassenen Grenzwerte überschritten werden. Eine belastbare Untersuchung zum Vergleich der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft wurde nicht gefunden. Der gezieltere Einsatz von Tierarzneimittel ohne vorbeugende Anwendung dürfte bei den Ökoprodukten zu geringeren Rückständen führen. Auf die Relevanz der Minimierung des Antibiotikaeinsatzes weist Prof. Dr. Manfred Grote in labor&more hin. Zitat:

Es zeigt sich, dass die zur Verfügung stehende Datenbasis zu gering ist, um verlässliche Risikoabschätzungen im Rahmen eines vorsorgenden Verbraucherschutzes zu ermöglichen. Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART [1] veröffentlichte die Bundesregierung im November 2008 ein Konzept, dessen zentrales Ziel die Reduzierung der Bildung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in Deutschland ist. Als Konsequenz aus den beschriebenen rückstandsanalytischen und mikrobiologischen Befunden sowie der zunehmenden Brisanz der Resistenzlage sind Strategien und interdisziplinäre Forschungsansätze zu entwickeln, die zu einem nachhaltigeren Einsatz von Veterinärantibiotika in der Landwirtschaft führen, mit dem Ziel der Resistenzprävention“.

Neben den Qualitätskriterien interessieren auch die Ertragsunterschiede. Zu diesem Aspekt liest man in verschiedenen Veröffentlichungen von einer Differenz von ca. 20% zu Gunsten der konventionellen Landwirtschaft. Dagegen stehen ca. 30- 50% geringere Düngemitteleinsätze.

Zusammenfassung
Die wissenschaftliche Datengrundlage für eine Quantifizierung der Unterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft ist als gering zu bezeichnen. Dazu kommen standortspezifische Kriterien wie Boden- und Klimaverhältnisse, die die Prozesseigenschaften überlagern und die Vergleichbarkeit erschweren.  Vor diesem Hintergrund kommt der Autor zu der Einschätzung, dass Detailergebnisse kritisch bewertet werden sollten. Aus der Summe der Ergebnisse ist jedoch ein deutlicher Trend ableitbar, der bzgl. Umweltauswirkungen und
Produktqualität Vorteile für den Ökologischen Landbau dokumentiert. Die Frage, ob eine Ernährung mit ausschließlich ökologisch erzeugten Produkten gesundheitliche Vorteile bringt, kann derzeit wissenschaftlich nicht beantwortet werden. Hier dürften auch psychologische Aspekte eine Rolle spielen.
Die Vorteile des Ökologischen Landbaus unterstützen die nationale Nachhaltigkeitsstrategie, deren Ziele mit Nachdruck angestrebt werden sollten. In Anbetracht dessen, dass die Belastungen des Erdsystems durch den Menschen ein Ausmaß erreicht haben, bei dem plötzliche globale Veränderungen der Umwelt nicht mehr auszuschließen sind (Stockholm Resilience Centre u.w.- vgl. die Seite Biodiversität in diesem Blog)), sollten die Bedingungen für den Ausbau kurzfristig verbessert werden. Die Politik hat die Chancen, dies im Rahmen der GAP-Reform (ab 2914) zu realisieren, nicht genutzt. Eine anders orientierte Agrarlobby konnte das offensichtlich verhindern (vgl. Offene Briefe: MdB Stadler).