Umweltministerin Babara Hendricks zur Ökologischen Landwirtschaft

 Ausschnitte aus einem Interview in der Süddeutschen Zeitung (26.04.2013)


Flächenverbrauch spielt auch in der Landwirtschaft eine Rolle. Weshalb verfolgen wir nicht das Ziel, diese Flächen für die Natur wertvoller zu machen, indem wir auf 100 Prozent der Fläche Bio-Landbau anstreben?
Der ökologische Landbau kommt dem Ideal einer nachhaltigen Landwirtschaft tatsächlich besonders nahe. Darum bin ich auch für eine Ausweitung. Aber 100 Prozent Bio-Landbau können wir nicht vorschreiben, weil das ein Eingriff in die Eigentumsrechte wäre, den wir verfassungsrechtlich nicht durchsetzen können.
Im Koalitionsvertrag steht der familiengeführte Betrieb als Leitbild für die Landwirtschaft. Warum haben Sie nicht den familiengeführten Bio-Betrieb zum Leitbild gemacht? Das wäre für den Naturschutz sehr viel besser.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin sehr dafür, Bio-Landbau zu betreiben. Für die Natur wäre es aber besser, wenn wir parallel daran arbeiten, auch die konventionelle Landwirtschaft ökologischer zu gestalten. Wir müssen auch beim Leitbild realistisch bleiben.
Warum?
Es ist gut, dass viele Landwirte nach ökologischen Kriterien wirtschaften. Und ich glaube, es wäre gut, wenn wir manche Entwicklungen in der konventionellen Landwirtschaft wieder zurückdrängen würden. Und zwar hin zu einer tatsächlich konventionellen Landwirtschaft auf der Basis der guten fachlichen Praxis, wie sie nach meinem Dafürhalten nicht mehr überall üblich ist.
Was sind denn Auswüchse in der konventionellen Landwirtschaft?
Die zu hohe Viehdichte in einigen Regionen ist ein gravierendes Beispiel. Aber auch die ständige Zunahme des Maisanbaus. Das hat verschiedene Gründe. Einer ist die Verwendung im Biogasbereich.
Weil diese Methode durch das Erneuerbare- Energien-Gesetz gefördert wird?
Sicher. Wobei wir zukünftig bei Neuanlagen vordringlich nur noch Rest- und Abfallstoffe zulassen. Diejenigen Anlagen, die schon genehmigt sind, werden allerdings ihr Privileg behalten.
 Das heißt, dass die negative Entwicklung zunächst 20 Jahre lang festgeschrieben ist.
Ja, das ist so. Aber für die Zukunft können wir eingreifen. Der Maisboom hat zudem nicht nur mit Biogas zu tun, sondern auch mit der geänderten Landwirtschaftsproduktion. Ich komme vom Niederrhein. Das ist eigentlich eine Grünlandgegend mit Milchviehwirtschaft. Da hat im Kreis Kleve in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Milchkühe auf derselben Fläche deutlich zugenommen. Zudem kommen die Tiere nicht mehr auf die Weide. Sie bleiben in offenen Laufställen und müssen gefüttert werden. Womit werden sie gefüttert? Mit Silage. Wie werden die Silos gefüllt? Im Wesentlichen mit Mais. Das verändert nicht nur die Kulturlandschaft, weil die schwarzbunten Kühe nicht mehr auf der Wiese stehen, sondern auch die Produktionsweise. Auf den Wiesen wächst jetzt Mais. Die Zahl der Milchkühe nimmt zu, genauso wie die Schweinehaltung.
Das Fleisch aus der Schweinehaltung ist zunehmend für den Export bestimmt.
Milchkühe natürlich auch. Deutsche Milchprodukte sind begehrt. Sie werden in die arabischen Staaten, nach China und Japan exportiert. Diese Länder sind wichtige Standbeine für die deutschen Bauern, die natürlich auch wissen, dass die EU-Fördermittel sukzessive zurückgehen.

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