Deutsche Bank - Kulturwandel?



Offener Brief

Sehr geehrter Herr Fitschen, sehr geehrter Herr Jain,

der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeber schreibt auf seiner Homepage unter dem Titel ‚Wirtschaft und Ethik bilden keinen Widerspruch‘:
„Glaubwürdiges Wertemanagement fängt bei den Führungskräften, Unternehmern und Managern an; sie haben eine besondere Vorbildfunktion. Nur wenn Werte in den Unternehmen auch gelebt werden, sind sie glaubwürdig und tragen. Die Soziale Marktwirtschaft ist auf eine Ethik der Verantwortung als Schranke gegen Kontrollverlust und Maßlosigkeit angewiesen. Missstände müssen klar verurteilt …. Die ethischen Prinzipien guten unternehmerischen Handelns, wie sie der „ehrbare Kaufmann“ verkörpert, verlieren im Zeitalter der Globalisierung keineswegs an Bedeutung“.
Vor diesem Anspruch und in Erinnerung an die kürzlich geführten Diskussionen um den Mindestlohn fällt es schwer, Ihrem folgenden Hinweis in der Einladung zur Hauptversammlung eine Vorbildwirksamkeit zu zugestehen. Zitat:„dass man bei begrenztem Bonus eben die Fixgehälter entsprechend anheben werde, um "weiterhin eine wettbewerbsfähige Vergütung" sicherzustellen“. Den „begrenzten Boni“ von 2,1 Milliarden € in 2013 steht laut Spiegel Online ein Konzerngewinn von 681 Millionen € gegenüber.
Das Magazin kommentiert dazu: „Das mag legal sein - und die Deutsche Bank ist sicher auch nicht die einzige, die es so handhabt. Zum Kulturwandel, den die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor fast zwei Jahren ausgerufen haben, passen die Pläne allerdings nicht.“
Dem kann der an der Ethik des Gemeinwohls orientierte Bürger nur zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer
22.05.2014

ZEIT-KONFERENZ Agrar und Ernährung



Am 19.05.2014 habe ich an der ZEIT KONFERENZ Agrar & Ernährung in Berlin teilgenommen. Mein Ergebnis aus Sicht des Kunden (Konsumenten):
Es besteht erheblicher Aufklärungsbedarf zu dem Thema: „Wodurch zeichnet sich ein moderner nachhaltiger landwirtschafticher Betrieb aus? Was deutet Teilnahme am Weltmarkt?“ Darüber hinaus verstärkt sich mein Eindruck, dass die Einteilung in konventionelle und ökologische Landwirtschaft nicht zukunftsfähig ist und beide unter dem Label „Nachhaltige Landwirtschaft“ zusammengeführt werden sollten. Dadurch konnte Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie angepasst und eine Basis für einen Dialog zwischen Landwirten und Kunden geschaffen werden.

Das habe ich von der Veranstaltung mitgenommen (in Stichworten):
In den westlichen Ländern geht es heute nicht mehr um Bedürfnisbefriedigung sondern um die Erfüllung von Wünschen. Wünsche entstehen unbewusst, sind nicht zu befriedigen, es entstehen kontinuierlich neue Wünsche. Massenmedien spielen dabei eine Rolle. Trend zu „höheren“ Wünschen (Spiritualität).
Der Nutzen sozialer Netzwerke wurde kontrovers gesehen (von Massenmedien „unabhängige Meinungsbildung“ versus der „Mensch braucht Orientierung“).
Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung müssen jährlich ca. 2,5% mehr Lebensmittel produziert werden. Ökologische Landwirtschaft schafft das nicht. Flächenstilllegungen sind aus Marktsicht kontraproduktiv. Die deutsche Agrarwirtschaft ist beispielhaft, verfügt über hervorragendes Knowhow und Produktionseffizienz. Deshalb für den Wettbewerb (Export) auf dem Weltmarkt bestens geeignet. Wenn keine Teilnahme, dann machen andere das Geschäft.
Wissenschaft sieht GAP kritisch. Politikstrukturen werden den Anforderungen der Agrarwirtschaft nicht gerecht. Gesetzliche Vorgaben nicht bei jedem Regierungswechsel verändern. Gegenwärtige Praxis führt zu Planungs- und Finanzierungsrisiken. Subventionen an konkrete Maßnahmen knüpfen. Maßnahmen in der Tierhaltung teilweise korrigieren.
Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz der Landwirtschaft erforderlich. Dialog zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft verstärken. Einbeziehung des Kunden. Gemeinsames Leitbild der Landwirtschaft (aus Sicht der Landwirte und der Kunden) erforderlich, um Missverständnisse/falsche Vorstellungen zu vermeiden. Ethische Gesichtspunkte stärker berücksichtigen. Transparenz der Produktionsmethoden.
Agrarindustrie hält weitere Effizienzsteigerung für erforderlich und möglich. Unklare Definition bzgl. „Kleiner Betrieb, gut – großer Betrieb schlecht“. Aufklärung bzgl. Antibiotika- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Keine weiteren Gräben zwischen den Landwirten, Bundesländern.

Mauern Netzbetreiber vorsätzlich?

Ein Beitrag aus 2008. Prof. Hohmeyer. Er sagt seinerzeit:

"Uns droht vor allen Dingen eine Lücke, weil die Netzbetreiber sich eine goldene Nase verdient haben, aber es unterlassen haben, in ihre Netze wieder zu investieren und auch überhaupt nicht dabei sind, die Netze der Zukunft auszubauen, die wir brauchen werden. Hier ist sehr lange gemauert worden, um genau die Kernkraftwerke und die Kohlekraftwerke möglichst lange über die Runden zu retten. Denn wenn ich die Netze nicht ausbaue, dann bekomme ich ein Problem, weil ich die regenerativen Ressourcen und die Speicherressourcen nicht mit den Verbrauchern verbinden kann. Und das sieht nach grobem Vorsatz aus."
Das gesamte Interview im Deutschlandradio Kultur lesen Sie hier

Bürgermeisterkandidaten zum Thema Nachhaltigkeit in der Gem. Rosengarten



Offener Brief

Sehr geehrter Herr Ockelmann, sehr geehrter Herr Seidler,

die Bundesregierung hat 2002 die nationale Nachhaltigkeitsstrategie (NNS) verabschiedet. Die Bundesländer und zahlreiche Kommunen haben daraufhin eine regionale bzw. lokale Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. In der Gemeinde Rosengarten werden/wurden Projekte durchgeführt, die dem „Label“ Nachhaltigkeit zugeordnet werden könnten (z.B. Klimakonzept).
Im Statusbericht 2012 zur NNS fordert die Bundeskanzlerin u.a. das Engagement der Bürger für die Weiterentwicklung und Umsetzung der NNS.
Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zu einer kontinuierlichen Thematisierung einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie?

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer

Antwort Herr Ockelmann 22.05.2014  _   Die Antwort von Herrn Seidler s.u.

 Sehr geehrter Herr Volmer,

Ihre Frage - aus der Hüfte geschossen - ist nicht so schnell zu beantworten.

Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, bediene ich mich nicht vorgegebener Versatzstücke, sondern versuche anhand der mir zur Verfügung stehenden Informationen, Erfahrungen und Gedanken Antworten und Meinung zu formulieren, womit ich arbeiten kann.

"Nachhaltigkeit" ist zuerst ein leerer Begriff, wie z.B. auch "Bürgerbeteiligung", oder "Klimakonzept", tausendfach benutzt und jeder versteht etwas anderes darunter. Wichtig ist für mich die amtlichen Definitionen herauszufinden und dann, was der Begriff mit meinem Leben, meiner Arbeit, oder meinen Plänen zu tun hat.

Das "Leitbild der Nachhaltigkeitsstrategie" der Bundesregierung gibt hier Anhaltspunkte, es geht um Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und internationale Verantwortung. Das klingt gut, es handelt sich aber wieder nur um leere Begriffe. Forsche ich weiter, komme ich zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Hier folgt dann das "Maßnahmenprogramm", welches sich zu Einzelpunkten wie Bau und Betrieb von Bundesbauten,  Energieversorgung und "nachhaltiger Beschaffung" äußert. Es ist schwer hieraus eine Handlungsvorgabe für eine Gemeinde, wie Rosengarten abzulesen.

Aktuell gibt es in Rosengarten eine Förderung der Solarthermie auf privaten Dächern. Früher wurden auch Regenwassernutzungsanlagen gefördert. Es gibt eine Energieberatung im Rathaus, einmal pro Woche soweit ich weiß. Seit einigen Jahren wird das Management der Gemeindegebäude vom Kreis ausgeführt. Es werden umfassende Unterlagen zu den Gebäuden zusammengestellt, anscheinend sind es genug Infos, um damit einen Maßnahmenplan für die öffentlichen Gebäude erstellen zu können. Ob es diesen Maßnahmenplan gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie deutlich zu erkennen ist, geht es hier hauptsächlich um Energieeffizienz. Die anderen Ziele - wenn auch noch leere Worte - werden nicht bearbeitet.

Ich habe bisher noch keine feste Position zum Thema, will aber versuchen, das Thema Nachhaltigkeit z.B. im Entwicklungskonzept "Rosengarten 2030" unterzubringen sowie es zum Gegenstand der Diskussion und auch der Bürgerbeteiligung zu machen.

Grobe Leitlinie wird dabei sein, heute keine Entscheidungen zu treffen, deren Folgen im wesentlichen unsere Kinder und Kindeskinder auszubaden haben. Das hat schon mal jemand schlauer gesagt: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Es lassen sich Forderungen im Einzelnen beschreiben:

Generationengerechtigkeit
Gesellschaftliche Förderung - das heißt im Einzelfall auch Gemeindegeld - soll allen Generationen zu gute kommen und hier ist am nachhaltigsten die Förderung der Jugend.

Wichtig ist ein sinnvolles Bildungskonzept, wie es mit der privat angeregten „Bildungsgemeinde Rosengarten“ auf dem Weg ist. Weiter notwendig ist die Unterstützung von Familien, damit sie für ihren Teil der Erziehung und Bildung ausreichende Kapazitäten haben. Hierzu braucht es Arbeit, Zeit und Vorbilder.

Junge Menschen brauchen geeignete Arbeitsplätze, geeignete Wohnungen und einen funktionierenden ÖPNV, damit sie der Gemeinde erhalten bleiben und die Orte Stärken können.

Ältere Menschen brauchen bezahlbaren Wohnraum, integrierte Konzepte für den Fall der Pflegebedürftigkeit, geeignete Infrastruktur, eine Aufgabe im sozialen Umfeld und Hilfe, wenn sie benötigt wird.

Alle brauchen Barrierefreiheit, sowohl in der Zugänglichkeit von Orten, als auch in der Informationsverteilung.

Gerechtigkeit für alle Generationen heißt auch, dass eine zurückhaltende Haushaltspolitik stattfindet, die nicht das Bezahlen jetzt getätigter Investitionen dem nachfolgenden Bürgermeister, oder der nachfolgenden Generation überlässt.

Das was investiert wird, muss dauerhaft sein. Es ist Vernichtung von Steuergeldern, wenn Radwege nach weniger als 2 Jahren saniert werden müssen und nach 10 Jahren kaputt sind, wie es beispielsweise am Hainbuchenweg in Klecken der Fall ist.

Wir müssen versuchen, keine Rohstoffförderung, Deponierung, oder andere Maßnahmen in der Gemeinde zulassen, die nachfolgenden Generationen Kontamination (Fracking, Müll...), Zerstörung (Sandabbau, Wasser für Hamburg...), Flächenverlust (Baumaßnahmen, Infrastrukturprojekte...) oder verschlechterte biologische Bedingungen hinterlässt. Das Kataster für Ausgleichsflächen muss geschaffen werden.

Lebensqualität
Dies ist der Begriff mit dem weitesten Deutungsspielraum. Die Frage, was die Lebensqualität ausmacht, welche die Menschen in Rosengarten brauchen ist bisher den Menschen nicht gestellt worden und sollte – meiner Meinung nach – Bestandteil des Entwicklungskonzeptes "Rosengarten 2030" sein. Natürlich gehören hierzu ein gesunde Natur, ein warmes Zimmer, Sicherheit und Freunde.

Hierhin gehören ein vernünftiges Klimakonzept, ein sinnvolles Verkehrskonzept, ein Naturschutzkonzept, die Sanierung des Rathauses und dergleichen mehr. Teile davon existieren bereits, Ziel muss es sein, hier ein möglichst zusammenhängendes Werk zu schaffen. Im Raum der Gemeinde wird dies nicht alles realisierbar sein. Das Thema muss in größeren Zusammenhängen, in der Metropolregion, im Kreis und im Land gedacht werden.

sozialer Zusammenhalt
Die Gemeinschaft und die große Bereitschaft der freiwilligen Tätigkeit sind ein Standbein der Gemeinde. Viele Funktionen könnten ohne Freiwillige nicht funktionieren. Die Feuerwehr, die ehrenamtlichen Politiker, die Vereine, die Dorfjugend und vieles mehr sichern den Bestand der Gemeinde, benötigen Unterstützung und noch wichtiger – Mitstreiter!

Ziel einer nachhaltigen Strategie muss es daher sein, im Angesicht der großen Stadt, der digitalen Reizüberflutung, der hohen Anforderungen aus der Arbeit und des Zeitbedarfs für Mobilität, genug Anreize zu schaffen, vor die eigene Gartenpforte zu treten und mit den anderen Bürgeren zusammenzutreffen. Nur so kann es weiterhin all das geben, was nur mit freiwilliger Arbeit der Bürger verwirklicht werden kann.

„Neubürger“ müssen begrüßt werden, um ebenfalls den Wert der Gemeinschaft so schätzen zu können, dass sie mitmachen.

Wichtig ist es, eine Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer zu verhindern, und zurückzudrehen, wo sie vorhanden ist. Die Stärkung der Organisationen in der Gemeinde hilft hier. In Rosengarten herrscht große Hilfsbereitschaft, zuletzt bewiesen beim verheerenden Brand in Eckel. Die Verwaltung muss hier weitergehen und alles tun, um soziale Ausgrenzung zu verhindern. Sinnvolle Maßnahmen, wie z.B. Schulkleidung, oder Solidaritätsbekundungen mit den Asylbewerbern müssen unterstützt werden.

Wichtig ist hier die funktionierende Bürgerbeteiligung. Nur durch gestaltende Mitwirkung der Bürger kann erreicht werden, dass sie sich in ihrer Gemeinde wiederfinden, bereit sind, sich zu engagieren und für den Zusammenhalt zu sorgen.

internationale Verantwortung
Rosengarten muss sich seines Anteils am weltweiten Geschehen bewusst sein, z.B. beim Klimaschutz. Rosengarten muss seine Klimaziele definieren und Konzepte zur Realisierung erarbeiten.

Rosengarten wird seine Energieversorgung optimieren und alle verfügbaren Sparpotentiale aktivieren. Nahezu energieautarke Siedlungsplanung ist möglich und wird schon realisiert. Das nächste Wohngebiet in Rosengarten wird unter diesen Vorgaben geplant und gebaut werden.

Es wird eine Aufnahme des Ist-Standes des Energieverbrauches in der Gemeinde durchgeführt (Strom, Erdgas, Heizöl, Kraftstoff - kommunal, gewerblich, privat) damit es eine Basis für ein Klimakonzept gibt. Wenn diese Werte vorliegen, können Zielwerte definiert werden. Die Bundesziele für den Klimaschutz gelten auch für die Gemeinde!

Der Verkehr in Rosengarten wird reduziert zugunsten ÖPNV und Radverkehr, hierfür muss die Infrastruktur instandgesetzt und geschaffen werden. Radschnellwege in Verbindung mit Elektrofahrrädern sind der richtige Weg.

Was nun tun?
Die Entwicklung eines Maßnahmenplans kommunale Nachhaltigkeitsstrategie ist ein Projekt für ein Bürgerbeteiligungsverfahren
.
Gemeinsam mit den Bürgern Rosengartens muss festgelegt werden, welche Teilziele verfolgt werden sollen und welche Prioritäten gelten.

Es ist ein mit Terminen versehender Maßnahmenplan mit Umsetzungsstrategie zu verfassen und ein Kontrollgremium zu installieren. Hier bedarf es viel freiwilliger Arbeit.

Vor dem Hintergrund knapper finanzieller Mittel, ist auch die bundesdeutsche und europäische Förderlandschaft zu prüfen, um alle Mittel einzuwerben, die eingeworben werden können.

In der Hoffnung, Ihre Frage damit vorläufig beantwortet zu haben und in der Gewissheit, dass Sie mir bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit persönlich helfen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Thies Ockelmann
Bürgermeisterkandidat | aus Rosengarten - für Rosengarten
www.thies-ockelmann.de

Antwort Herr Seidler (23.05.2014)

Sehr geehrter Herr Vollmer,

hier wie schon angekündigt meine schriftliche Antwort zu Ihrer Email.

Da die Gemeinde ihre Maßnahmen immer auch auf zukünftige Generationen hin ausrichten sollte, z.B. keine ausufernde Verschuldung, Förderung von Familien, Förderung von Bildung, Antworten auf den demografischen Wandel, etc. liegt es immer schon in der Daseinsvorsorge der Gemeinde nicht nur kurzfristige, sondern auch mittel- und langfristige Effekte zu erzielen. Ob hierfür der Begriff Nachhaltigkeit nun verwendet wird oder andere Begrifflichkeiten, spielt meines Erachtens keine so große Rolle. Wichtig sind die Ziele und Maßnahmen sowie ihre Wirkungen auf spätere Generationen.

Soweit ich dies bisher für Rosengarten abschätzen kann, wurde hier in der Vergangenheit auch schon Maßnahmen durchgeführt, die weitläufig unter den Begriff "Nachhaltigkeit" zu subsummieren wären (z.B. Nachtabschaltung Straßenbeleuchtung, Schrittweise Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, Grün-Strom für öffentliche Einrichtungen, Förderung der Photovoltaik, Nichtbewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen aber auch der Bau von Krippen - und Kindertagesstätten).

Zukünftige Schritte wären die Fortschreibung des Entwicklungsplanes für die Gemeinde, der Ausbau von Bildungsanbeboten in den Grundschulen (Stichwort: Ganztagsgrundschule) oder auch die energetische Sanierung von öffentlichen Einrichtungen und vieles mehr.

Für mich ist dabei die Einbindung der gesellschaftlichen Gruppen möglich und sinnvoll. Am Beispiel der Einführung einer Ganztagsgrundschule wird dieser Prozess deutlich. Hier müssen Gemeinde, Eltern und Lehrerschaft gemeinsam agieren, um den Prozess zum Erfolg zu führen. Sollte ein Partner hier nicht mitgenommen werden können, ist das Projekt nicht realisierbar. Ich habe dies in der Gemeinde Hambühren verantwortlich über einen Zeitraum von über vier Jahren begleitet. Zum Schuljahresbeginn 2014/2015 wird in Hambühren die Ganztagsgrundschule nunmehr eingeführt. Ähnliches kann ich mir auch in Rosengarten vorstellen.

Weitergehende Überlegungen zu dem Thema "Nachhaltigkeit" habe ich noch nicht formuliert. Dies würde auch diesen Rahmen sprengen. Zudem bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme der Ist-Situation bevor ein "Nachhaltigkeits-Konzept" entwickelt werden kann. Dies hängt natürlich auch von den vorhandenen Ressource der Gemeinde ab.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Seidler

Atom nein danke! – War das so unberechtigt?



Seit Jahrzehnten wird von zahlreichen Wissenschaftlern auf die ökologischen und ökonomischen Risiken der Nutzung der Atomenergie hingewiesen. Trotz zweier Katastrophen Tschernobyl, Fukushima), diverser veröffentlichter und nicht veröffentlichter Kraftwerksunfälle sowie des ungelösten, vermutlich unlösbaren Endlagerproblems, blieb die Wirtschaft und lange Zeit auch die jeweils verantwortliche Politik, unbeeindruckt. Neben der Missachtung ökologischer Aspekte ignorierten Atom-Lobby und Politik auch die ökonomischen Grundlagen seriöser Kostenkalkulationen und verkauften Strom weit unter dem realen Preis. Und nun dies:

Die deutschen Energieversorger E.On, RWE und EnBW wollen ihre Kernkraftwerke offensichtlich in eine öffentlich-rechtliche Stiftung überführen. Die von den Versorgern für den Rückbau vorgenommen Rückstellungen (ca.15 Milliarden) sollen der Stiftung als Kapitalausstattung übertragen werden. Die Stiftung übernimmt den Betrieb der Kernkraftwerke für die Restlaufzeit und ist anschließend für den Rückbau und die Lagerung der Abfälle verantwortlich. Tagesschau.de: "Darüber gibt es Gespräche mit der Bundesregierung", bestätigte ein nicht namentlich genannter Branchenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters die Pläne zur Einrichtung einer Stiftung.“

Ist der Wähler dazu bereit? (Falls nein – er wird letztlich doch die Lasten übernehmen müssen.)

Vor dem Hintergrund der folgenden Ausführungen der TU-Berlin sollte das Thema Atomenergie auch in der Europa-Politik eine Rolle spielen – da ist der deutsche Steuerzahler ebenfalls gefragt!

TU Berlin; Ausschnitt aus Zukunftsfähiges Wirtschaftssystem – Nachhaltigkeit und Ressourcenproduktivität:
„Nachhaltigkeit und Atomenergie
Die Atomenergie verfehlt das Ziel der Nachhaltigkeit sowohl unter dem Kriterium der Zukunftsfähigkeit als auch unter dem einer zukunftsfähigen Entwicklung. Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt weltweit kein einziges Endlager für radioaktive Abfälle, obwohl alle Staaten gemäß Völkerrecht dazu verpflichtet sind, ihre radioaktiven Abfälle im eigenen Land endzulagern. Aus der zivilen Nutzung der Kernenergie entstehen jährlich 70 Tonnen Plutonium, von dem es weltweit gegenwärtig 800 Tonnen gibt. Plutonium, das als einer der giftigsten Stoffe der Erde gilt und damit allein auf grund seines toxischen Potentials eine Gefährdung der Menschheit darstellt, besitzt eine Halbwertszeit von 24000 Jahren. D.h. aber, daß hunderte von Generationen mit diesem gefährlichen Stoff werden leben müssen, hauptsächlich die Generationen, die nach dem Aufbrauchen der Uranvorräte ohne Kernenergieeinsatz leben würden. Ludwig Bölkow weist darauf hin, daß es, angesichts der Tatsache, daß erst seit 10000 Jahren überhaupt menschliche Siedlungen existierten, unverantwortlich sei, davon auszugehen, daß die gegenwärtigen zivilisatorischen und weltpolitischen Gegebenheiten Zehntausende von Jahren stabil und immer kontrollierbar seien.
Auch die Kernfusion steht als Alternative nicht viel besser da. Ernst Ulrich von Weizsäcker bezeichnet sie sogar als bizarren Traum, da bei ihr so ungeheuer große Mengen von Tritium (radiaktivem Wasserstoff) im Spiel seien, daß dies fast unlösbare Probleme bei der Absicherung der Anlage mit sich bringe. Außerdem seien extrem hohe Neutronenflüsse unvermeidbar. Neutronen könnten durch jedes Material dringen und unvorhersehbare Kernreaktionen eingehen, die das Wandmaterial radioaktiv machten und/oder die dort beschäftigten Personen schädigen könnten. Von Weizsäcker kommt zu dem Ergebnis, daß Fusionsenergie, abgesehen davon, daß niemand wisse, ob sie je wirtschaftlich werden könne, alles andere als sicher und sauber sei.
Insbesondere wenn man die Betonung in der Nachhaltigkeits-Debatte auf Entwicklung legt, erweist sich die Kernenergie als gefährlich, teuer und vor allem auch unbrauchbar zur Bekämpfung der global wirkenden Umweltprobleme. Heute werden mit 420 Kernkraftwerken lediglich 5-7% des Primärenergieverbrauchs gedeckt. Sollten also in den nächsten 50 Jahren 40 bis 50 % fossile Energien durch Kernkraft ersetzt werden, müßten 4000 Kernkraftwerke zusätzlich gebaut werden, d,h, es müßte von heute an alle 4 bis 5 Tage ein neues KKW ans Netz gehen. Abgesehen davon, daß dies schon aus technischen Gründen unmöglich ist, konterkariert es geradezu die Forderung nach energieeffizienten, angepaßten Lösungen.
Neben den bekannten Sicherheitsproblemen (Atomwaffenverbreitung, Supergift Plutonium) machen überdies schon die enormen Kapitalsummen (Rückstellungen), die zur Entsorgung verfügbar sein müßten, das Risiko eines Kernenergieeinsatzes in wirtschaftlich und politisch weniger stabilen Ländern völlig unkalkulierbar. Die Industrienationen, die sich z.T. wirtschaftliche Vorteile aus dem Export von Nukleartechnologie versprechen, sind bereits jetzt erpreßbar. Die jüngsten Beispiele aus Osteuropa, wo Regierungen sich die Stillegung von unsicheren Atomkraftwerken in einem Milliardenpoker regelrecht abhandeln lassen, machen auch finanzielle Risiken deutlich, die mit einer Weiterverbreitung der Nukleartechnologie verbunden sind.
Auch nach ökonomischen Maßstäben schneidet die Kernenergie schlecht ab. In Deutschland z.B. hat sie ihre Existenz nicht nur erheblichen direkten Subventionen zu verdanken, sondern auch der Tatsache, daß die Atomwirtschaft sich nicht (wie andere Unternehmen) auf dem Versicherungsmarkt gegen die Risiken absichern muß. Eine solche Versicherung würde den Strompreis für Atomstrom auf ein Vielfaches ansteigen lassen
Insbesondere wenn man die vorhandenen Möglichkeiten der Energieeinsparung, d.h. also Kraftwerke überflüssig zu machen, in eine vergleichende Betrachtung mit einbezieht, wird der Zubau von Kernkraftwerken vollends unökonomisch. Die enormen Investitionskosten und die bezüglich einer sich verändernden Nachfragestruktur unflexiblen Großkraftwerke können schnell zu sog. "Milliardengräbern" und damit zu einer volkswirtschaftlich relevanten Kapitalvernichtung führen“.