Atom nein danke! – War das so unberechtigt?



Seit Jahrzehnten wird von zahlreichen Wissenschaftlern auf die ökologischen und ökonomischen Risiken der Nutzung der Atomenergie hingewiesen. Trotz zweier Katastrophen Tschernobyl, Fukushima), diverser veröffentlichter und nicht veröffentlichter Kraftwerksunfälle sowie des ungelösten, vermutlich unlösbaren Endlagerproblems, blieb die Wirtschaft und lange Zeit auch die jeweils verantwortliche Politik, unbeeindruckt. Neben der Missachtung ökologischer Aspekte ignorierten Atom-Lobby und Politik auch die ökonomischen Grundlagen seriöser Kostenkalkulationen und verkauften Strom weit unter dem realen Preis. Und nun dies:

Die deutschen Energieversorger E.On, RWE und EnBW wollen ihre Kernkraftwerke offensichtlich in eine öffentlich-rechtliche Stiftung überführen. Die von den Versorgern für den Rückbau vorgenommen Rückstellungen (ca.15 Milliarden) sollen der Stiftung als Kapitalausstattung übertragen werden. Die Stiftung übernimmt den Betrieb der Kernkraftwerke für die Restlaufzeit und ist anschließend für den Rückbau und die Lagerung der Abfälle verantwortlich. Tagesschau.de: "Darüber gibt es Gespräche mit der Bundesregierung", bestätigte ein nicht namentlich genannter Branchenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters die Pläne zur Einrichtung einer Stiftung.“

Ist der Wähler dazu bereit? (Falls nein – er wird letztlich doch die Lasten übernehmen müssen.)

Vor dem Hintergrund der folgenden Ausführungen der TU-Berlin sollte das Thema Atomenergie auch in der Europa-Politik eine Rolle spielen – da ist der deutsche Steuerzahler ebenfalls gefragt!

TU Berlin; Ausschnitt aus Zukunftsfähiges Wirtschaftssystem – Nachhaltigkeit und Ressourcenproduktivität:
„Nachhaltigkeit und Atomenergie
Die Atomenergie verfehlt das Ziel der Nachhaltigkeit sowohl unter dem Kriterium der Zukunftsfähigkeit als auch unter dem einer zukunftsfähigen Entwicklung. Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt weltweit kein einziges Endlager für radioaktive Abfälle, obwohl alle Staaten gemäß Völkerrecht dazu verpflichtet sind, ihre radioaktiven Abfälle im eigenen Land endzulagern. Aus der zivilen Nutzung der Kernenergie entstehen jährlich 70 Tonnen Plutonium, von dem es weltweit gegenwärtig 800 Tonnen gibt. Plutonium, das als einer der giftigsten Stoffe der Erde gilt und damit allein auf grund seines toxischen Potentials eine Gefährdung der Menschheit darstellt, besitzt eine Halbwertszeit von 24000 Jahren. D.h. aber, daß hunderte von Generationen mit diesem gefährlichen Stoff werden leben müssen, hauptsächlich die Generationen, die nach dem Aufbrauchen der Uranvorräte ohne Kernenergieeinsatz leben würden. Ludwig Bölkow weist darauf hin, daß es, angesichts der Tatsache, daß erst seit 10000 Jahren überhaupt menschliche Siedlungen existierten, unverantwortlich sei, davon auszugehen, daß die gegenwärtigen zivilisatorischen und weltpolitischen Gegebenheiten Zehntausende von Jahren stabil und immer kontrollierbar seien.
Auch die Kernfusion steht als Alternative nicht viel besser da. Ernst Ulrich von Weizsäcker bezeichnet sie sogar als bizarren Traum, da bei ihr so ungeheuer große Mengen von Tritium (radiaktivem Wasserstoff) im Spiel seien, daß dies fast unlösbare Probleme bei der Absicherung der Anlage mit sich bringe. Außerdem seien extrem hohe Neutronenflüsse unvermeidbar. Neutronen könnten durch jedes Material dringen und unvorhersehbare Kernreaktionen eingehen, die das Wandmaterial radioaktiv machten und/oder die dort beschäftigten Personen schädigen könnten. Von Weizsäcker kommt zu dem Ergebnis, daß Fusionsenergie, abgesehen davon, daß niemand wisse, ob sie je wirtschaftlich werden könne, alles andere als sicher und sauber sei.
Insbesondere wenn man die Betonung in der Nachhaltigkeits-Debatte auf Entwicklung legt, erweist sich die Kernenergie als gefährlich, teuer und vor allem auch unbrauchbar zur Bekämpfung der global wirkenden Umweltprobleme. Heute werden mit 420 Kernkraftwerken lediglich 5-7% des Primärenergieverbrauchs gedeckt. Sollten also in den nächsten 50 Jahren 40 bis 50 % fossile Energien durch Kernkraft ersetzt werden, müßten 4000 Kernkraftwerke zusätzlich gebaut werden, d,h, es müßte von heute an alle 4 bis 5 Tage ein neues KKW ans Netz gehen. Abgesehen davon, daß dies schon aus technischen Gründen unmöglich ist, konterkariert es geradezu die Forderung nach energieeffizienten, angepaßten Lösungen.
Neben den bekannten Sicherheitsproblemen (Atomwaffenverbreitung, Supergift Plutonium) machen überdies schon die enormen Kapitalsummen (Rückstellungen), die zur Entsorgung verfügbar sein müßten, das Risiko eines Kernenergieeinsatzes in wirtschaftlich und politisch weniger stabilen Ländern völlig unkalkulierbar. Die Industrienationen, die sich z.T. wirtschaftliche Vorteile aus dem Export von Nukleartechnologie versprechen, sind bereits jetzt erpreßbar. Die jüngsten Beispiele aus Osteuropa, wo Regierungen sich die Stillegung von unsicheren Atomkraftwerken in einem Milliardenpoker regelrecht abhandeln lassen, machen auch finanzielle Risiken deutlich, die mit einer Weiterverbreitung der Nukleartechnologie verbunden sind.
Auch nach ökonomischen Maßstäben schneidet die Kernenergie schlecht ab. In Deutschland z.B. hat sie ihre Existenz nicht nur erheblichen direkten Subventionen zu verdanken, sondern auch der Tatsache, daß die Atomwirtschaft sich nicht (wie andere Unternehmen) auf dem Versicherungsmarkt gegen die Risiken absichern muß. Eine solche Versicherung würde den Strompreis für Atomstrom auf ein Vielfaches ansteigen lassen
Insbesondere wenn man die vorhandenen Möglichkeiten der Energieeinsparung, d.h. also Kraftwerke überflüssig zu machen, in eine vergleichende Betrachtung mit einbezieht, wird der Zubau von Kernkraftwerken vollends unökonomisch. Die enormen Investitionskosten und die bezüglich einer sich verändernden Nachfragestruktur unflexiblen Großkraftwerke können schnell zu sog. "Milliardengräbern" und damit zu einer volkswirtschaftlich relevanten Kapitalvernichtung führen“.