Eigenschaften der Demokratiekompetenz

  
Der Verbraucher gilt als ein entscheidender Machtfaktor bei der Gestaltung der Zukunft.
Sein bisheriges Verhalten ist mitverantwortlich für die gegenwärtige Überbeanspruchung 
der Erdsysteme. Politik und Wirtschaft bezeichnen ihn gern als mündigen Bürger.
Vor dem Hintergrund der seit Jahrzehnten währenden Diskussion um das Thema Nach-
haltigkeit und den tatsächlichen erzielten Ergebnissen, stellt sich die Frage nach der
Kompetenz des mündigen Bürgers
Pädagogen und Soziologen bemühen sich auf nationaler und internationaler Ebene um
Bildungskonzepte für die Entwicklung von Demokratiekompetenz. Himmelmann nennt in
"Was ist Demokratiekompetenz" dazu beispielhaft Einstellungen und Fähigkeiten (s.u.), die in
ähnlicher Form auch in Arbeiten anderer Autoren genannt werden. Die reale 
Demokratiekompetenz weist allerdings vergleichsweise erhebliche Defizite aus. 
Was bedeutet das für die Zukunftsgestaltung?

 
Einstellungen und Fähigkeiten eines demokratiekompetenten, mündigen Bürgers 
nach Himmelmann:

Affektiv-moralische Einstellungen

1. Anerkennung der Prinzipien der Universalität, Interdependenz und Unteilbakeit
der Grundrechte und Grundfreiheiten
2. Achtung des Werts, der Würde und Freiheit eines jeden einzelnen Menschen
3. Akzeptanz der Herrschaft des Rechts, Streben nach Gerechtigkeit, Anerkennung der Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung in einer Welt voller Unterschiede
4. Bekenntnis zum Frieden, zu Gewaltlosigkeit und zur partizipatorischen und konstruktiven Lösung von gesellschaftlichen Konflikten und Problemen
5. Vertrauen in die demokratischen Prinzipien, Institutionen und Verfahrensweisen sowie Wertschätzung der bürgerschaftlichen Mitwirkung
6. Anerkennung des Pluralismus in der Lebenswelt und in der Gesellschaft,
Respekt vor fremden Kulturen und ihrem Beitrag zur menschlichen Entwicklung
7. Wertschätzung von Gegenseitigkeit, Kooperation, Vertrauen und Solidarität sowie Bekämpfung von Rassismus, Vorurteilen und Diskriminierung
8. Eintreten für die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung als Balance zwischen dem gesellschaftlichen und ökonomischen Wachstum und dem Schutz der Umwelt

 Kognitive Fähigkeiten

1. Erkennen (wiedergeben und beschreiben) eines Sachverhalts, einer Aussage, eines Problems, einer Situation, eines Konflikts (Sachkenntnis)
2. Unterscheiden (und vergleichen) von Aussagen, Stellungnahmen oder Sachverhalten gemäß den unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen oder Wertpositionen (Unter-scheidungsvermögen)
3. Erörtern (und erläutern) der unterschiedlichen Aussagen im Gesamtkontext,
weiterführende Fragestellungen erarbeiten (Zusammenhänge)
4. Untersuchen (und Erklären) der Ursprünge, Hintergründe oder der Geschichte
5. Kritisch überprüfen (beurteilen und bewerten) einer Position oder Stellung-
nahme nach ihren Folgen, ihrer Zukunftsbedeutsamkeit und ihren Fähigkeiten, Probleme zu lösen (Folgen-,Zukunfts- und Problemlösungsfähigkeit)
6. Argumentieren (und Stellung nehmen) für oder gegen eine Position; gemäß eigener, aber ausgewiesener Kriterien (Stellungnahme, Kritik) 
7. Begründen der eigenen Position in rechtlicher und moralischer Sicht sowie 
Abschätzung von Handlungsmöglichkeiten (Begründung, Handlungsfähigkeit)
8. Reflektieren (und diskutieren) der normativen Gehalte gem. den Kriterien von 
Menschen-rechten, Demokratie, Rechtsstaat oder Moralvorstellungen; beurteilen 
von Entscheidungs- oder Wertkonflikten (Reflexion

Praktisch-Instrumentelle Fähigkeiten

1. Meinungen und Argumente anderer erfassen und ernst nehmen, andere 
Meinungsträger als Person anerkennen, sich in die Lage anderer versetzen,Kritik 
ertragen, zuhören (Dialogfähigkeit, Empathie)
2. Eigene Meinung (Bedürfnisse, Interessen, Gefühle, Wertpositionen) deutlich
machen, zusammenhängend reden, klar und deutlich begründen (Interessen-
vertretung, Selbstwirksamkeit)
3. Auf jede Art von Gewalt, Demütigungen, Beleidigungen (Kraftausdrücke) etc.
verzichten (Zivilität)
4. Auf Schwächere Rücksicht nehmen, Diskriminierungen abbauen, Außenseiter
integrieren (Sensibilität, Solidarität)
5. Gruppenarbeit organisieren, in Arbeitsteilung kooperieren, Aufgaben über-
nehmen, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit beweisen 
(Interaktions-, Organisations-und Kooperationsfähigkeit)
6. Vielfalt, Divergenzen, Differenzen aushalten, Konflikte erkennen, nach Mög-
lichkeit ausgleichen und sozialverträglich regeln, Fehler und Unterschiede
akzeptieren (Konfliktfähigkeit)
7. Kompromisse finden, Konsens suchen, Mehrheitsentscheidungen akzeptie-
ren, Minderheiten tolerieren, Ermutigung vermitteln, Rechte und Pflichten
abwägen sowie Vertrauen und Zivilcourage zeigen (Kompromiss- und
Konsensfähigkeit,Zivilcourage)
8. Gruppenverantwortung hervorheben, faire Normen sowie gemeinsame Inte-
ressen und Bedürfnisse entwickeln, gemeinsame Aufgabenbewältigung för-
dern (Verantwortungsbereitschaft, Gemeinschaftssinn)

Thema Nachhaltigkeit auf dem Katholikentag in Regensburg



Seit einigen Jahren bin ich „Kirchentagsfan“. Im Rahmen dieser Veranstaltungen treffen sich Gläubige aller Religionen und auch Nichtgläubige, die in zahlreichen Einzelveranstaltungen die Fragen der Zeit miteinander diskutieren. Dies gilt nach meinen Beobachtungen sowohl für evangelische und katholische Kirchentage. Mich interessieren dabei besonders die Podiumsdiskussionen, die interdisziplinär besetzt sind. Auf dem jüngst abgehaltenen Katholikentag (29.05 – 01.06.2014) habe ich die folgenden Themen besucht, die sich mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigten:

  • Wie viel Religion verträgt die säkulare Gesellschaft?
  • Es sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte.
  • Energiewende gerecht gestalten.
  • Geld oder Leben?
  • Den Globus verfrühstücken?
  • Vernünftiger Glaube – gläubige Vernunft!
  • Kirche als Treiber öko-sozialen Wandels?
  • Unbezahlbare Gerechtigkeit?

Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen
Die globalen Trends sprechen nicht für einen erfolgreichen Brückenbau zwischen arm und reich, zwischen heute und morgen. Die Wirtschaftssysteme der Industrienationen sichern bei der Ressourcennutzung und der Güterverteilung keine Gerechtigkeit. Die Strukturen und die Produktionsmethoden der Landwirtschaft entsprechen weder den versorgungs- und umwelttechnischen noch den sozialen Anforderungen von Nachhaltigkeit.
In der gegenwärtigen Transformationsphase (Paradigmenwechsel) mangelt es an Orientierung bzgl. Wohlstands- und Lebenszielen. Die Entwicklung eines positiven Suffizenzbegriffes ist erforderlich, um die planetarischen Grenzen nicht weiter zu überschreiten.
Der Anspruch des Menschen ist nicht das Maß des zukünftigen Handeln, sondern es muss bestimmt sein durch eine kontinuierliche Beantwortung der Frage: „Was darf der Mensch sich nehmen (verändern) um zukünftigen Generationen einen vergleichbaren Wohlstand zu ermöglichen.
Das erfordert neue Denkstrukturen, verbesserte Bildungsysteme und unabhängige Forschung. Politik muss frei von kurzfristigen Wahlinteressen entscheiden. Bürger müssen sich verstärkt „einmischen“. Die Religionen müssen Antworten auf die Gegenwartsfragen geben. Die Industrienationen müssen ihren Ressourcenverbrauch gegenüber den Schwellen- und Entwicklungsländern ethisch rechtfertigen. Letztere müssen Ihre Eigenverantwortung wahrnehmen. Entwicklungspolitik soll das Subsidaritätsprinzip unterstützen.

Im Folgenden sind die Teilnehmer und die wichtigsten Kernaussagen der besuchten Podiumsdiskussionen dokumentiert:

Zeit Dossier: WM - Nur ein Spiel?



Offener Brief

Sehr geehrte Frau Rückert, sehr geehrter Herr Martenstein,
in Ihrem „Briefwechsel – Nur ein Spiel?“ im Dossier der Zeitausgabe Nr.25 vom 12.Juni 2014 diskutieren Sie die unterschiedlichen Seiten des Fußballspiels. Sie Herr Martenstein bestätigen die von Frau Rückert aufgezeigten kommerziellen Entartungen des Wirtschaftszweiges Fußball (einschließlich Korruption, menschenverachtende Arbeitsbedingungen…), wollen sich als selbstbezeichneter Hedonist den Spaß, die Lust am Spiel, der WM jedoch nicht nehmen lassen.
Sind nicht die Darstellungen Frau Rückerts nur ein Beispiel für den Zustand der Weltgesellschaft, in dem Überfluss-Wohlstand (Spaß, Lust) im Zusammenhang steht mit Hunger, Armut, Umweltzerstörung? Sind es nicht die Zustände, die Papst Franziskus jüngst in einem Interview der spanischen Zeitung La Vanguardia als unerträglich bezeichnet und feststellt: Zitat: „Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“ Ist es vor diesem Hintergrund aus der Machtposition eines Journalisten heraus zu verantworten, seine WM-Anteilnahme mit Hedonismus zu begründen – anstatt einfach zu“ gucken“ - und im Sinne Frau Rückerts zukunftsorientiert aufzuklären?
Zur Versöhnung: Ich werde reduziert gucken – Frau Rückert wird neben mir sitzen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer

Bildung statt Rüstung - Anworten

Offener Brief
an die Amerikanische Botschaft, das Bundesministerium der Verteidigung, die Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises Frau Stadler und Herrn Grosse-Brömer:

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Nato fordert die Erhöhung von Rüstungsausgaben als Konsequenz aus der Ukraine-Krise. Bitte setzen Sie sich dafür ein, stattdessen die globalen Bildungsausgaben incl. des internationalen Jugendaustausches zu erhöhen. Bitte unterstützen Sie eine Differenzierung zwischen dem globalen Bürgerinteresse und den Interessen der Rüstungsindustrien in der von den USA forcierten Rüstungsdiskussion.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer
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Antwort Frau Stadler MdB  04.06.2014

Sehr geehrter Herr Vollmer,
mit Ihrem Anliegen sprechen Sie mir aus der Seele. Ich bin der Überzeugung, dass wirklicher Frieden nur über die Herzen und die Köpfe der Menschen geschaffen werden kann. Und das erreicht man über Bildung.
Gleichwohl muss ich ernüchtert feststellen, dass wir in unserer Welt, die so ist, wie sie ist, noch nicht völlig auf eine Verteidigungsfähigkeit und –bereitschaft verzichten können. Und ich meine hier auch eine Verteidigung mit militärischen Mitteln.
Die Brennpunkte der Welt zeigen allerdings, dass es noch zu selten gelingt, das richtige Gleichgewicht zwischen militärscher Verteidigungsfähigkeit und dem Ausbau gewaltfreier Konfliktlösung zu finden. Letzteres aber muss die Zielrichtung bleiben. Ich begrüße daher sehr, dass Wirtschaftsminister Gabriel für seine Amtsausübung in Anspruch nimmt, zukünftig weniger Rüstungsexporte zu genehmigen. Außerdem ist eine größere Transparenz bei der Genehmigungspraxis zu erwarten. Eine Änderung der Geschäftsordnung des geheim tagenden Bundessicherheitsrats soll dafür sorgen, dass abschließende Entscheidungen künftig wesentlich zeitnaher als bisher dem Parlament mitgeteilt werden.
Die Förderung von Bildung, gerade auch Friedensbildung, wie etwa durch internationale Jugendaustausche oder Freiwilligendienste in der Entwicklungs- und Friedensarbeit ist ein Kernanliegen meiner persönlichen politischen Arbeit. Als engagementpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion setze ich mich selbstverständlich dafür ein, das zivilgesellschaftliche Engagement als unverzichtbare Essenz demokratischer Kultur zu stärken und auszubauen.
Wache, kritische und am Gemeinwohl interessierte aktive Bürgerinnen und Bürger sind mir dabei willkommene Partner.
Mit freundlichen Grüßen
Svenja Stadler

Bildung statt Rüstung


Offener Brief
an die Amerikanische Botschaft, das Bundesministerium der Verteidigung, die Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises Frau Stadler und Herrn Grosse-Brömer:

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Nato fordert die Erhöhung von Rüstungsausgaben als Konsequenz aus der Ukraine-Krise. Bitte setzen Sie sich dafür ein, stattdessen die globalen Bildungsausgaben incl. des internationalen Jugendaustausches zu erhöhen. Bitte unterstützen Sie eine Differenzierung zwischen dem globalen Bürgerinteresse und den Interessen der Rüstungsindustrien in der von den USA forcierten Rüstungsdiskussion.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer