Bildung lohnt sich



Mit dem Titel „Wenn Bildung sich nicht mehr lohnt“ fordert Uwe Jean Heuser in der ZEIT (47/2014) zu einer Diskussion auf. Ausgangspunkt des Artikels ist ein Trend, dem zur Folge eine wachsende Zahl akademisch gebildeter Menschen keinen adäquaten Arbeitsplatz mehr findet. Zwei Gründe seien dafür verantwortlich. Erstens, die seit Jahren zunehmende Zahl von Hochschulabsolventen und zweitens, die zunehmende Digitalisierung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen. Das ist nicht grundsätzlich neu, betrifft aber zunehmend auch mentale Leistungen, die bisher noch eine Domäne des Menschen waren. Der Trend dokumentiert das Ringen von Computer gegen menschliche Arbeit, zugespitzt formuliert: Arbeit gegen Kapital.

Die Verknüpfung dieser Entwicklung mit der Frage, ob sich Bildung noch lohnt, reduziert Bildung auf eine Funktion in dem System der arbeitnehmerbezogenen Erwerbsarbeit. Wird hier nicht ein Fehler wiederholt, der in der Bildungsdebatte regelmäßig auftritt. Ist es vor dem Hintergrund „Arbeit gegen Kapital“ nicht besonders wichtig, über Bildungsinhalte nachzudenken, die an Stelle ökonomischer vielmehr humanistische Aspekte in den Mittelpunkt stellen? Zeigen sich nicht gerade an der Verdrängung der menschlichen Arbeit durch Kapital die Defizite langjähriger, einseitiger Bildungspraktiken. Ja, wir brauchen eine humanistische Bildung, die individuelle Fähigkeiten und Kreativität fördert. Wir brauchen sie nicht nur, um der fortschreitenden Ökonomisierung der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen, wir brauchen sie insbesondere auch, um den globalen Herausforderungen (Frieden, Klimawandel, Umweltzerstörung …) erfolgreich begegnen zu können, ohne  uns allzu sehr auf zukünftige, nicht garantierte, technologische Innovationen verlassen zu müssen.
Albert Einstein soll sinngemäß gesagt haben, dass Denken, das uns an einen bestimmten Punkt gebracht hat, nicht geeignet ist, uns von diesem Punkt wegzuführen. – Ja, Bildung lohnt sich nicht nur - sie ist überlebenswichtig!
14.11.2014