Mehr Mut! Nachhaltigkeit muss politische Relevanz beweisen



Die Deutsche Bank spart durch die Renovierung ihrer Zwillingstürme in Frankfurt ca. 90 Prozent CO2 ein. Ist die Bank deshalb nun nachhaltiger? Diese Frage stellte Volker Hauff während Festaktes Anfang April 2016 zum 15-jährigen Jubiläum des Rates für nachhaltige Entwicklung (RNE). 
Volker Hauff
 Seine Antwort: 
Wenn die Deutsche Bank gleichzeitig weltweit kriminelle Machenschaften im Kreditbereich betreibt, dann hat das nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun.
Die kriminelle Abgasmanipulation des VW-Konzerns verstößt ebenfalls gegen die Intentionen der Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ (2002). Dort heißt es: 
Die Unternehmen tragen für ihre Produktion und ihre Produkte die Verantwortung. Dazu gehört die Information der Verbraucher über gesundheits- und umweltrelevante Eigenschaften der Produkte sowie über nachhaltige Produktionsweisen.

Deutsche Bank und VW bilden vermutlich keine Einzelfälle nichtnachhaltigen Verhaltens. Derartige Unternehmensgebahren schädigen das Vertrauen in die politische Gestaltungskraft. Der Verbraucher reagiert bestenfalls mit verbaler Kritik. Das bleibt unter den Erwartungen der Nachhaltigkeitsstrategie, Zitat:
Der Verbraucher trägt die Verantwortung für die Auswahl des Produkts und dessen sozial und ökologisch verträgliche Nutzung.
Minister Altmaier
Kanzleramtsminister Peter Altmaier würdigte während der Feier die Leistungen des RNE als „Erfolgsstory ohnegleichen“. Als Grundlage für eine erfolgreiche Nachhaltigkeitspolitik sah Altmaier laut RNE-Bericht, dass bei wichtigen Entscheidungen alle demokratischen Parteien im Boot sind.
Im Gegensatz zu Minister Altmaier ist Volker Hauff der Ansicht, Zitat RNE-Bericht:
Nachhaltigkeit muss im Kern einer Organisation verankert sein, ebenso wie im Kern von Politik. Zu oft sei das Thema an isolierten Bereichen festgemacht worden.
Vergleichbar hatte sich bereits Prof. Dr. Castellucci in einer Plenarsitzung an 18.12.2015 geäußert:
...und wir müssen uns als Parlament das Thema Nachhaltigkeit auch stärker aneignen, als das in der Vergangenheit passiert ist….es ist eher ein Nischendasein als das es wirklich Leitbild und Zentrum von nationaler Politik ist.
 20 Monate vor dem Castellucci-Bekenntnis schreibt der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion Grosse-Brömer in seiner Antwort auf einen offenen Brief:

Die Nachhaltigkeitsstrategie ist vielmehr ein übergeordnetes Prinzip, das sich als Querschnittsaufgabe durch alle Politikbereiche zieht. Nachhaltigkeit ist damit ein Indikator für jedes Handeln und damit hier im Parlamentsbetrieb eines der bei jeder Entscheidung zu berücksichtigenden Abwägungsinteressen.
Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Politiker-Ansichten kann von einer Erfolgsgeschichte des Verständnisses der Nachhaltigkeitsstrategie nicht gesprochen werden. Damit erklären sich teilweise auch die Zielverfehlungen der Strategie, die im jahrlich veröffentlichten Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes dokumentiert werden. Der Jubilar RNE richtet nicht ohne Grund folgenden Appell an die Bundesregierung:
Mehr Mut!
Nachhaltigkeit muss politische Relevanz beweisen.