Ein Rückblick auf den Wachstumsstaat



Kernsätze in einem Aufsatz von Stephan Lessenich

Der Wohlstand des langen Nachkriegsbooms war nicht zuletzt deshalb gesellschafts-historisch einmalig, weil breite Mehrheiten in den Genuss einer ungeahnten Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse kamen…und (die) ermöglichten auch den proletarischen Milieus eine zwar immer noch ungleiche Teilhabe am wachsenden Sozialprodukt, die aber mehr als nur basale Bedürfnisse zufriedenstellte.
Die Umverteilung der Wachstumsgewinne …bedarf der Intervention eines marktexternen Akteurs: des Staats…Der europäische Wohlfahrtsstaat ist im Grunde ein „Wachstumsstaat“, der übersetzt wirtschaftliches Wachstum in gesellschaftliches Wohlergehen…Wo Wohlfahrt auf Wachstum beruht, da bilden sich…breite gesellschaftliche Koalitionen zum Erhalt dieses Funktionszusammenhangs.
…Eine Gesellschaft, die sich von Wachstumszwängen emanzipieren wollte, müsste auch ihre politischen Strukturen grundsätzlichen infrage stellen.
Eine Postwachstumsgesellschaft wäre eine Gesellschaft der radikalen Umverteilung,…im globalen Maßstab…
Der Autor lehrt Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Quelle: Atlas der Globalisierung