Klimawandel - ein einzigartiger Kraftakt ist erforderlich



Der weltweite Protest gegen Trumps Ausstieg aus dem Klimavertrag ist groß. Die deutsche Tagesschau sieht nicht zuletzt darin einen Hinweis, dass die Klimaproblematik in den Spitzen der Politik angekommen ist. Endlich – denn „Die Umsetzung des Übereinkommens von Paris erfordert einen einzigartigen Kraftakt der Weltgemeinschaft, denn bei stabilen Emissionen wäre bereits in 20 Jahren das globale CO2-Budget aufgebraucht, das eine Klimaerwärmung auf 2°C begrenzt. Für die Einhaltung der 2°C-Leitplanke müssen bis spätestens 2070 Nullemissionen erreicht sein; für eine Begrenzung auf 1,5°C bereits bis 2050. Dies ist nur mit einer grundlegenden Transformation der Energiesysteme und anderer emissionsintensiver Infrastrukturen sowie signifikanten Verhaltensänderungen von Bürgern zu erreichen……neben einem beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien, müssen mit gleich hoher Priorität Effizienz- und Suffizienzmaßnahmen in sämtlichen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft umgesetzt werden1.“
Ottmar Edenhofer sieht ein Problem darin, dass „die Politik zwar ….. gut darin geworden ist, klimapolitisch ungeheuer ambitionierte Ziele zu formulieren – auch in Deutschland, auch in Europa – aber die Politik ist nicht gut darin, die notwendigen Mittel und die notwendigen Instrumente zu schaffen, die dann auch beißen2.
Deshalb konnte sich die globale Durchschnittstemperatur kontinuierlich erhöhen, wie die Grafik von Ed Hawkens eindrucksvoll zeigt.
Bundespräsident Steinmeier war auf dem jüngsten evangelischen Kirchentag an einer Podiumsdiskussion beteiligt, die sich unter dem Titel „Ist die Vernunft noch zu retten?“ mit verantwortlichem Handeln in der Gegenwart beschäftigte. Steinmeiers Schlusswort: „Was sonst als die Vernunft kann uns noch retten“.
Erneuerbare Energien scheinen auf dem Weg zu sein!? Effizienzfortschritte werden ebenfalls nachgewiesen, allerdings werden diese von Rebound-Effekten überkompensiert. Wenig hört man von signifikanten Verhaltensänderungen von Bürgern, vor allem nicht in Verbindung mit Suffizienzmaßnahmen. Noch vermittelt Politik den Eindruck, dass alles so bleiben könne wie es ist, nur ökologischer müsse es werden. Steinmeiers Vernunftgedanken ernstgenommen, ließe die Frage nach unvernünftigen Verhaltensweisen zu. Anzeichen signifikanter Veränderungen sind trotz weit verbreiter Kenntnisse der Klimarisiken nicht erkennbar. Wäre es da nicht vernünftig, über Verbote unvernünftiger Produkte, Dienstleistungen und Verhaltensweisen nachzudenken? In unseren Breitengraden gäbe es da ein umfassendes Transformationspotential – den Wohlstands-Überfluss. Es wäre unvernünftig, den erforderlichen einzigartigen Kraftakt (s.o.) überwiegend den (An-)reizen des Marktes zu überlassen.

Vo/05.06.2017

1Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU 2016; http://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu.de/templates/dateien/veroeffentlichungen/sondergutachten/sg2016/wbgu_sg2016.pdf

2Zitat Ottmar Edenhofer, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, https://youtu.be/3Qr0Mb8afYw?t=941