Offener Brief an MdB Svenja Stadler - Klimawandel: Es reicht


Sehr geehrte Frau Stadler,

ich kann Ihre persönlichen Bemühungen bzgl. Nachhaltigkeit nicht bewerten. Verstehen Sie deshalb die folgenden Ausführungen als allgemeine Kritik und Forderung an die aktuelle Politik. Wir hatten in der Vergangenheit auf verschiedenen Wegen einen Meinungsaustausch über dieses Thema. Angeblich sieht die Regierung Nachhaltigkeit als ein sogenanntes Querschnittsthema. In Ihrer Antwort vom 15.01.15 auf meinen offenen Brief bekannten Sie, Zitat: „ (für) mich persönlich ist klar, dass die Zeit reif ist, das Ziel der Nachhaltigkeit in unser Grundgesetz aufzunehmen und ihm dadurch die Bedeutung einzuräumen, die es verdient“. Vor diesem Hintergrund vermisse ich eine entsprechende Passage in Ihrer Rede vom 03.07.18 zum Haushalt des BMFSFJ. Schade.

Das Wetter des aktuellen Sommers befördert die Nachhaltigkeitsdiskussion. Einmal mehr wird deutlich, dass der von unserem Überflusswohlstand beeinflusste Klimawandel bereits seit Jahrzehnten mit zunehmender Wahrscheinlichkeit vorhersehbar war! Politik hat erkennbar nichts Entscheidendes unternommen, um die sogenannte große Transformation auf den Weg zu bringen. Im Gegenteil, beschlossene Umweltziele werden verschoben, kriminelles, umweltschädliches Handeln wird als „Schummeln“ verniedlicht (Dieselmanipulation - woran erkennt der einfache Bürger da die Rechtsstaatlichkeit?). Politik will oder kann seine Bürger offensichtlich nicht vor der Zerstörung der Lebensgrundlagen schützen. Dieser zugespitze Schluss ist zulässig, wenn man die Summe der wissenschaftlichen Erkenntnisse bewertet und sich die Feststellung eines Wissenschaftlers (Prof. Harald Lesch vor dem Hintergrund des Klimawandels) vor Augen führt, Zitat: „…die Wissenschaft ist eine von der Öffentlichkeit gewollte und finanzierte Tätigkeit des Erkenntnisgewinns. Wenn diese Gesellschaft diesen Erkenntnisgewinn (der da ja erzielt wird) nicht wahrnimmt, kann ich nur sagen: dann können wir das Geld auch aus dem Fenster schmeißen…“
Ein Zentralbegriff der SPD im Wahlkampf 2017 war „Gerechtigkeit“. Ich finde es nicht gerecht, wenn, um Nachhaltigkeit bemühte Bürger die diesbezüglich völlig kontroverse Kreuzfahrtindustrie mit deren indirekten Gesundheitsrisiken ertragen müssen. Das angeblich politisch angestrebte Gleichgewicht zwischen Ökologie, Soziologie und Ökonomie wird nicht nur mit diesem Beispiel konterkariert. Ich frage Sie Frau Stadler: Welche Signalwirkung an die Nachhaltigkeitsbereitschaft der Bürger (vor der eigenen Haustür fegen) geht von derartigen, ausschließlich gewinnmotivierten umweltschädlichen „Dienstleistungen“ aus?
Es reicht! Ich erwarte, dass Politiker sich endlich an ökologischen Grundbedingungen orientieren, die Bildungsinhalte entsprechend korrigieren, sich von der Umklammerung der Wirtschaft befreien und ihr Rahmenbedingungen setzen, die dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung der Lebensgrundlagen dienen. Freiheit ist nicht mit Beliebigkeit gleichzusetzen. SUV sind genauso ökologischer Blödsinn wie steuerbegünstigter Kerosinverbrauch für touristische Aktivitäten und vieles mehr. Sehr geehrte Frau Stadler, womit will Politik die Gewährung derartiger Sachverhalte als Auftrag (Mandat) ihrer Wähler rechtfertigen? Die Unwissenheit, Gleichgültigkeit Ohnmächtigkeit und Ignoranz der (scheinbaren) Mehrheit der Bevölkerung kann doch nicht die Grundlage für  die Gewinnung von Wählerstimmen sein. Wo bleibt die Idee zur Transformation in den Köpfen bzw. Absichten der Politiker. Wo bleiben die geistigen Innovationen auf die Politik andererseits im der materiellen Transformation so große Hoffnungen setzt?
Noch mal: es reicht! Oder wollen wir warten bis der letzte, algorithmen-gesteuerte Mensch ein Gutachten erstellt, das beweist: Die Menschheit ist ausgestorben - weil sie ihre eigenen Erkenntnisse nicht in adäquates Handeln umsetzen konnte?

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer                                                                             24.08.2028


Antwort Frau Stadler vom 10.09.2018