Herr Merz irrt sich


Offener Brief
Sehr geehrter Herr Grosse-Brömer,
Ihr Parteikollege Friedrich Merz äußert sich jüngst bei Klamroths Konter zum Klimaschutz, Zitat: „…Die Bundesregierung…setzt sich seit 15 Jahren für Klimaschutz ein…Wir sind nicht so erfolgreich…aber Sie können doch der Union und auch einzelnen Abgeordneten nicht in Abrede stellen, dass sie sich ernsthaft um Klimaschutz bemühen. Das tun wir alle
Sehr geehrter Herr Grosse-Brömer, diese Ausführungen von Herrn Merz basieren entweder auf einer thematischen Inkompetenz Ihres Kollegen oder auf einer Erfolgs-Vermittlungsschwäche der Union. Denn die vorgegebenen Bemühungen werden weder von der Wissenschaft, von wissenschaftlichen Beiräten der BR noch von einer breiten Öffentlichkeit, geschweige denn von Friday for Future und deren wachsende Bewegungen von Unterstützern wahrgenommen. Im Gegenteil – seit Monaten häufen sich in den Leitmedien die Informationen über den dramatischen Zustand weiter Teile unserer Lebensgrundlagen. Das ist das Ergebnis von Versäumnissen, nicht von Bemühungen.
Bitte richten Sie das Ihrem Kollegen aus.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer
07.05.2019

Wer sind eigentlich die Ignoranten?


Gedankensplitter aus dem Film „Die Erdzerstörer“ – Regie: Jean-Robert Viallet

Schon der Beginn des Filmes weist daraufhin, dass die Risiken menschlichen Handeln lange bekannt waren. Wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass sie nicht einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, bestenfalls als unbedeutende Nebenerscheinung unserer Wirtschaftsordnung verharmlost wurden. Weshalb wurde die Zwiespältigkeit der technologischen Entwicklung, Wohlstand auf der einen, Ausbeutung, Leid,Tod auf der anderen Seite, ignoriert bzw. akzeptiert? Der Hinweis auf das erdgeschichtlich kurze Dasein des Menschen unterstreicht seine unglaubliche Wirkmacht, deren Dimension er offensichtlich nicht wahrnehmen sondern sich bestenfalls nachträglich bewusst machen kann. Die über Jahrmillionen gespeicherte Sonnenenergie (Kohle, Öl. Gas), wird in einem erdgeschichtlich winzigen Moment vom Menschen freigesetzt, das entstehende Abbauprodukt CO2  in der Erdatmosphäre deponiert.
Anfang der 1950er Jahre beklagen 2 Spitzen der Naturforschung William Vogt und Fairfield Osborne in 2 Büchern mit über 20 Mio Auflage eine übermäßige Ausbeutung der Vereinigten Staaten und in noch größerem Ausmaße der gesammten Erde, die so nicht weitergehen könne. Die beiden Forscher rufen die Menschheit dazu auf, ihren Kampf gegen die Natur zu beenden. Sie fordern eine Begrenzung des Verbrauchs der natürlichen Ressourcen der Erde. Doch mitten im kalten Krieg halten die millitärischen, ökonomischen und politischen Eliten Amerikas eine solche Mäßigung nicht vereinbar in dem Wettlauf mit dem kommunistischen Block. 1951 nimmt Präsident Truman die Sache in die Hand. Er setzt einen Ausschuss unter Leitung W.S. Paley (Medien- und Geschäftsmann) ein, der nach monatelanger Tagung vorschlägt, die Ressourcen der ganzen Welt auszubeuten, um den Westen zu sichern und zugleich die amerikanischen Ressourcen für die Zukunft zu schützen. Die Warnungen der Naturforscher werden weggewischt. Das Wachstum muss weitergehen, koste es was es wolle.
1972 gibt eine Gruppe von Experten, hohen Beamten und Industriellen aus über 50 Ländern (Club of Rome) bei einem Forschungsteam des MIT (Massachusetts Institute of Technology)eine Studie in Auftrag. Sie hat den Titel: Die Grenzen des Wachstums. Die Studie präsentiert 13 Zukunftsszenarien  und warnt vor einem Zusammenbruch der Industriellen  Zivilisation im 21.Jahrhundert. Die Ursachen für diesen Zusammenbruch: Umweltverschmutzung, Rohstoffmangel und Überbevölkerung. Zu ersten Mal wird der Gedanke von den Grenzen des Wachstums auf höchster Ebene von den Eliten des Kapitalismus formuliert.
1973 und 1978 schaden zwei Ölkrisen Amerika erheblich. 1979 hält der damalige Präsident der USA, Jimmy Carter, vor 65 Mio Zuschauern eine Rede mit folgender Aussage:
 „Die Identität des Menschen definiert sich nicht länger durch das was man tut, sondern durch das, was man besitzt. Doch wir haben entdeckt, dass der Besitz und der Konsum von Sachen nicht unser Verlangen nach Sinn stillt. Wir haben gelernt, dass die Anhäufung materieller Güter nicht die Leere eines Lebens ohne Glauben oder Ziel füllen kann“.

Und wie ging es weiter?
Vo/04.05.2019